UCLA

Diese Dissertation versucht, die Sprachvorstellungen des Kokugaku-Gelehrten Motoori Norinaga (1730-1801) aus dem achtzehnten Jahrhundert zu überdenken und dabei auch die Art und Weise neu zu formulieren, in der wir das frühneuzeitliche Kokugaku und seine Rolle in der japanischen Geschichte verstehen. Frühere Studien haben Kokugaku als eine sprachlich konstituierte kommunitäre Bewegung interpretiert, die den Weg für das Zeug zur japanischen nationalen Identität ebnete. Meine Analyse zeigt jedoch, dass Norinaga – der mit Abstand bekannteste Kokugaku-Denker – mehr daran interessiert war, eine grundlegende Ontologie aus der Sprache herauszuziehen, als eine Identitätspolitik daran zu binden: Grammatische Codes, prosodische Rhythmen und Klänge und ihre begleitenden Empfindungen wurden nicht als Werkzeuge für die zwischenmenschliche Kommunikation verstanden, sondern als selbst sichtbare und / oder hörbare Fäden im Gewebe des Kosmos. Norinagas Arbeit wurde somit von einem positiven Verständnis der Sprache als ontologisch im Kosmos verankert untermauert, ein Rahmen, den er implizit aus dem siebzehnten Jahrhundert entlehnt hat Shingon Mönch Keichū (1640-1701) und esoterisch buddhistische (mikkyō) Sprachtheorien. Durch philologische Untersuchungen antiker Texte glaubten sowohl Norinaga als auch Keichū, dass der profane Staub, der die (heilige, kosmische) Wahrheit trübte, wie von einem Juwelenbesen weggefegt werden könnte.

Die Dissertation ist in vier Kapitel gegliedert. Das erste Kapitel wirft einen historiographischen Blick auf das Studium von Kokugaku und Norinagas zentraler Rolle darin. Es legt auch die These dar, die die verbleibenden drei Kapitel der Dissertation zu untermauern versuchen: dass Kokugaku, zumindest bis zu Norinagas Zeit, als eine traditionell konzipierte Form der Philologie betrachtet werden sollte. Es war mit anderen Worten ein Versuch, kosmologische Wahrheit aus der Sprache der alten Texte aufzudecken. Im zweiten Kapitel stelle ich eine Genealogie von Norinagas Kokugaku vor, die Norinagas Gedanken bis nach Keichū zurückverfolgt. Dieses Kapitel versucht zu zeigen, dass Keichūs empirische Methodik ein direktes Ergebnis seiner esoterisch-buddhistischen Ausbildung und seines Hintergrunds war und tatsächlich fest in einem esoterisch-buddhistischen Lehrsystem verankert war. Es wird dann argumentiert, dass Norinagas Philologie und positive Bewertung der Sprache ebenfalls auf einem buddhologischen Rahmen beruhen, der die Immanenz der Wahrheit in der Welt betont, die den gewöhnlichen Menschen bekannt ist. Das dritte und vierte Kapitel untersuchen Norinagas Vorstellung von Sprache und ihrer Rolle in der Welt, insbesondere seine Studien zu Teniwoha und seine viel gefeierte Theorie von Mono no aware. In diesen letzten beiden Kapiteln zeige ich, dass mono no aware und teniwoha sowohl der Erkenntnistheorie als auch der Ontologie von Norinaga zugrunde liegen und ein Mittel zum Erkennen und Begreifen des Kosmos sowie ein Modell für die Existenz dieses Kosmos selbst bieten.

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